So schlecht sind die Akkus der E-Fahrzeuge wirklich

Akku

Es gibt viele Halbwahrheiten und auch Fehlinformationen über die Akkus der E-Fahrzeuge.

Dies hängt vor allem damit zusammen, dass viele Menschen sie mit den herkömmlichen Akkus in Smartphones, Videospielkonsolen u.ä. vergleichen. Größte Sorge ist dabei, dass die Akkus nach ein paar Jahren (oder Ladezyklen) dann entsorgt werden müssen. Im Bereich Elektromobilität kommen aber ganz andere Akkus zum Einsatz. Diese, Antriebs- oder Traktionsbatterie genannten Energiespeicher, besitzen eine höhere Robustheit, da auch ganz andere Spannungen durchgehen, als bei einem herkömmlichen Smartphone. Außerdem sorgt ein Temperatur- und Lademanagement dafür, dass viele Ladezyklen kein Problem sind.

Trotzdem lässt auch so ein Akku irgendwann nach und die Reichweite verringert sich. So bei circa 80% werden die Speicher also oft ausgetauscht. Hier kommt der Clou – eben weil dieser Akku so robust ist und eine enorme Kapazität hat, kann man ihn immer noch verwenden. Nur für E-Mobilität ist er nicht mehr so gut geeignet, aber zum Speichern von Windstrom, als Notfallversorgung in kritischen Bereichen wie Krankenhäusern oder als Solarstromspeicher in den ärmeren Regionen verrichten sie noch ganz gut ihre Dienste.

Irgendwann ist auch das vorbei. Die Rohstoffe in diesen Speichern sind aber beliebt, also werden sie recycelt – das macht z.B. die Firma Duesenfeld in Wendeburg bei Hannover. Nach eigenen Angaben 91% stoffliche Rückgewinnung, mit dem extra entwickelten Verfahren. Und auch BASF baut in Brandenburg ein Werk zur Rückgewinnung, welches 2022 in Betrieb gehen soll. Und in Westafrika entstehen währenddessen die angesprochenen Solarstromspeicher.

Und dies gilt nur für die aktuellen Generationen. Spätere Modelle werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit länger halten als das Auto selbst. Siehe dazu auch Energy Storage & Sustainable Engineering with Lukas Swan and Jeff Dahn – YouTube

Der nächste Punkt auf der Liste ist nach dem Recycling die verwendeten Rohstoffe, die in den Köpfen mancher Leute, in riesigen Becken in Südamerika gewonnen werden und das nur für diese E-Fahrzeuge. Doch auch dies ist fern von der Realität. Natürlich ist der Abbau generell ein Problem für z.B. Chile, wo die größten Vorkommen der Welt liegen. Aber Lithium findet sich nicht nur in den E-Autos wieder, sondern auch in vielen anderen Akkus, Keramik und auch Klimaanlagen. In der Medizin und der Kernfusion findet es ebenfalls Anwendung. Und die Förderung in Chile begann bereits 1996, hauptsächlich aber für Kalium, Lithium fiel so nebenher an – heute wird eben das mehr nachgefragt als das Kalium.

Dem E-Antrieb an diesem Raubbau an der Natur die Schuld zu geben, ist also massiv an der eigentlichen Thematik vorbei. Und es lässt auch komplett außen vor, dass wir mit den herkömmlichen Antrieben ebenso Raubbau an der Natur begehen – im Februar 2019 haben wir zum ersten Mal einen Verbrauch von mehr als 100 Millionen Barrel Erdöl am Tag überschritten. Ein Barrel sind ungefähr 159 Liter also am Ende 15,9 Milliarden Liter Erdöl. Täglich. Wer meint, dass dies nicht ohne Umweltschäden vonstatten geht, dem lege ich nahe, sich einmal die Grundlagen der Förderung anzusehen – und teilweise auch, wo das gefördert wird. Randnotiz: In unserem Biosprit wird Palmöl verbrannt, welches in Gebieten angebaut wird, welches eine deutlich höhere Artenvielfalt besitzt, als die chilenische Wüste.

Auch tauchen immer wieder Aussagen auf, dass die E-Autos bei einem Stau im Winter schnell zur Eisfalle werden können, da die Klimaanlage den Akku des Fahrzeuges so schnell entlädt, dass man schon nach ein paar Stunden im Stau nicht mehr weiterfahren kann und das Auto dementsprechend abgeschleppt werden muss, was zu einem weiteren Stau und damit einem Teufelskreis führt. Es stimmt zwar, dass die Belastung für den Akku bei niedrigen Temperaturen höher ist, aber so hoch, wie uns diese Aussagen es weismachen wollen, dann eben doch nicht. Es gibt etliche Selbstversuche, bei denen Personen im E-Auto übernachtet haben, während die Klimaanlage lief. Und in einem Härtetest des ADAC war der Akku eines e-Ups nach 12 Stunden mit aktivem Standlicht, Sitzheizung und 22 °C Wohlfühltemperatur bei einer Umgebungstemperatur von -9 bis -14 °C um 80% entladen. Das klingt enorm, aber man sollte dabei auch bedenken, dass der e-Up mit 32,3 KWh doch einen eher kleinen Energiespeicher hat. Kritisch würde es, voller Akku vorausgesetzt, also erst nach 15 Stunden.

Und als letzten Punkt schauen wir uns einmal die Produktion an. Hier heißt es immer wieder, dass die Produktion eines E-Fahrzeuges soviel CO² ausstößt, wie ein Kleinwagen auf 100.000 km produziert. Diese Aussage bezieht sich auf eine Studie von 2013, die damals schon lückenhaft war und heutzutage definitiv veraltet ist, da sich in den letzten 8 Jahren doch einiges entwickelt hat. Der Urheber dieses Mythos hat auch erklärt, wie er auf diese Zahl kommt. Kurz: Diese Zahl taucht in der Studie gar nicht auf, sondern in einem Artikel des Journalisten Johan Kristensson für das Magazin Nyteknik wird sie zur Veranschaulichung benutzt. Der Vergleich eines 100 KWh-Akkus, den es nur in sehr wenigen Oberklasse-Stromern von z.B. Tesla gibt, mit einem Mittelklasse-Verbrenner ist alleine schon gewagt, da es zwei unterschiedliche Klassen miteinander vergleicht. Ferner berücksichtigt dieser Vergleich auch nicht den ganzen Strom, der bei der Produktion des Verbrenners benötigt wird. Dieser Vergleich ist ungefähr so aussagekräftig, wie der berühmte Vergleich von Äpfel und Birnen, wenn wir hierbei aber die Dauer bis zur Reife des Apfels mit der Dauer des Essens der Birne in Relation setzen. Kann man machen, aber wem sollte das was bringen?

Für einen ehrlichen Vergleich, muss man also ähnliche Modelle nehmen und ähnliche Ausgangslagen. Denn hier wird vollkommen außer Acht gelassen, dass die Herstellung von Benzin und Diesel ebenso Strom benötigt und dies nun mal CO²-Ausstoß bedeutet. Auch das Betreiben einer Tankstelle benötigt Strom und der Transport der Treibstoffe dorthin benötigt wieder Treibstoff, der eben auch wieder Strom benötigt hat – mal ganz davon abgesehen, dass auch der LKW erstmal produziert werden musste. Diese versteckten Stromfresser nennt man übrigens Graustrom. Letzen Endes könnte man einen solchen Vergleich nie zu 100% fair aufziehen, aber man kann zumindest versuchen, die Ausgangslage einigermaßen fair zu gestalten.

Und zu guter Letzt gibt es noch das Märchen, das unser Stromnetz zusammenbrechen wird, wenn wir alle elektrisch fahren. Dies beruht wahrscheinlich auf einem Artikel von Vince Ebert bei Spektrum, in dem er prophezeit, dass wir schon eine Million nicht verkraften können. Es geht um diese Aussage:

Angenommen, es ist 20 Uhr, und zehn Prozent der eine Million Elektroautobesitzer möchten ihre Fahrzeuge aufladen. Dann wird zusätzlich zu dem normalen Strombedarf eine Leistung von 35 000 Megawatt benötigt.

Das kommt sogar hin, wenn diese an einer Schnellladestation mit 350 KW laden. Momentan haben wir aber nur 9% an Ladestationen, die auf oder über 100 KW kommen. (Stand 13.12.2021) Der Großteil lädt immer noch mit 22 bis 42 KW. Schon sieht die Rechnung anders aus, denn diese 100.000 Fahrzeuge sollte man eventuell dann auch so aufteilen, wie die tatsächliche Ausgangslage ist. Ferner wird hier auch vollkommen außer Acht gelassen, dass ein E-Auto nicht konstant lädt. Abends um 20 Uhr kann man davon ausgehen, dass die meisten daheim laden, damit die Fahrt zur Arbeit am nächsten Morgen klappt. Gehen wir mal davon aus, nur weil das ja scheinbar so üblich ist, dass diese 100.000 Autos nur je 50% nachladen müssen und am nächsten Morgen um 6 Uhr fertig sein müssen. Wir hätten also 10 Stunden um 50 KW nachzuladen, wenn wir von einem Model S ausgehen. Wieso sollte man das an einem Schnelllader machen und wieso sollte man den Autos gleich 350 KW reinballern? Klar, der Vorgang wäre dann in ungefähr 9 Minuten vorbei, aber macht das Sinn, wenn das Auto 10 Stunden Zeit hat? 5 KW würden in dem Bereich ja vollkommen reichen, dann wären nach den 10 Stunden die 50 KW auch nachgeladen.

Herr Ebert ist Diplomphysiker, also prinzipiell halte ich ihn für kompetenter in Matheaufgaben als mich, aber hier beruht seine Annahme eben auf falschen Ausgangsdaten. Wir laden nicht alle gleichzeitig auf, genauso wenig wie wir alle gleichzeitig zur Tankstelle fahren.

 

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