Wrestling Society X

Wrestling Society X

Die kurzlebige Promotion Wrestling Society X, kurz WSX, wurde von Kevin Kleinrock gegründet. Bei einigen der Lesern werden da gleich Fragezeichen über dem Kopf erscheinen. Kevin Wer? Und das ist auch kein großes Wunder, denn mit den großen Ligen hatte er eigentlich nicht zu tun. Er gründete zusammen mit Rob Black die XPW (Xtreme Pro Wrestling) und pitchte eine Idee an MTV, die seine beiden großen Leidenschaften, Musik und Wrestling, vereinte.

Das Konzept

Die Idee war relativ simpel. In jeder Show gab es einen musikalischen Gast, von dem auch oft die Kommentatoren Kris Kloss und Bret Ernst unterstützt wurden. Dabei gab es generell Falls-Count-Anywhere-Regeln in den Matches, ein Auszählen war also nicht möglich. Ebenso scheint es auch keine Disqualifikation zu geben, denn auch in den Matches, die keine besondere Stipulation hatten, kamen Gegenstände zum Einsatz.
Als Athleten holte man sich bekannte Veteranen wie Vampiro, New Jack, Justin Credible und 6-Pac (Sean Waltman) und aufstrebende Independent-Stars wie Teddy Hart, Matt Sydal und Tyler Black (Seth Rollins). Viele dieser Akteure waren vorher bei ECW, WCW oder WWF/E zu sehen oder kamen danach bei TNA, AEW oder WWE unter. Die Shows wurden in einer auf Underground getrimmten Halle, dem WSX Bunker, aufgenommen.

Die Matches

Zu sagen, die Matches waren eine Aneinanderreihung von Spots ohne Sinn, wäre eine Untertreibung. Das lag aber weniger an den Akteuren, sondern am Schnitt und der Produktion. MTV wollte Action von Sekunde 1 bis Ende des Matches, deswegen flogen fast sämtliche Holds, Kicks und Punches aus dem fertigen Produkt, was der Qualität der Matches in der Regel nicht gut bekam. Das reichte aber MTV noch lange nicht, so sollte es bei jeder Show ein Special-Match als Main Event geben. In der ersten Ausgabe war dies der WSX Rumble, der ähnlich wie beim Royal Rumble der WWF/WWE mit zwei Wrestlern startet und dann nach und nach mit neuen Teilnehmern aufgestockt wird. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, denn eliminiert wird hier keiner. Ganz im Gegenteil, sobald alle 10 Kämpfer im Ring sind, werden zwei Verträge von der Decke runtergelassen und das Match wird zu einem Ladder-Match. Die beiden, die sich einen Vertrag sichern können, kämpfen in der nächsten Woche um die WSX Championship. Namentlich waren dies 6-Pac und Vampiro, die zu diesem Zeitpunkt wohl auch die größten Namen der Promotion waren. Vampiro gewann dieses erste Titelmatch. Mit einem Tombstone Piledriver in einen Exploding Coffin.

Und das sollte noch lange nicht alles sein. In der dritten Episode gab es als Main Event ein TLC-Tag-Team-Match. Wobei die lange Fassung hier Tables, Ladders & Cervezas, also Biere, bedeutet. Ricky Banderas schoss Vampiro einen Feuerball ins Gesicht, der ziemlich daneben ging, um die Fehde der beiden einzuläuten. Banderas konnte sich bei Episode 8 den Titel auch holen, was aufgrund der dich beieinander liegenden Tapings faktisch nur eine Vier-Tages-Regentschaft für Vampiro bedeutete. Ricky Banderas wurde der Titel am 17.6.2007 aberkannt, er kam bei TNA unter und man wollte sich wohl alle Optionen offen halten, falls es doch eine zweite Season geben sollte.

Rezeption

Die WSX hatte einen schweren Stand. Nicht nur, dass die Ausstrahlung um 22:30 an einem Dienstag Abend generell ein eher schlechter Slot ist, man musste auch noch gegen die neu aufgestellte ECW der WWE antreten, die schon um 22 Uhr gestartet war und ebenfalls bis 23 Uhr lief. Zusammen mit den Änderungen an den Matches, die möglichst abgedreht sein sollten, damit Kids dies daheim auf gar keinen Fall nachmachen können, blieb für das TV-Publikum nicht viel übrig. Nach nur vier Episoden im wöchentlichen Rhythmus brachte man am 13. März 2007 fünf Episoden am Stück, die zehnte und letzte  Folge wurde gar nicht mehr ausgestrahlt. Die Ratings fingen bei 1.0 für die Premiere an, fielen dann aber immer weiter, bis sie schließlich auf dem niedrigsten Rating mit 0.3 angekommen waren.

Alle 10 Episoden erschienen im November 2007 auf DVD. Die Musikteile mussten entfernt werden, dafür sind aber auch alle Szenen, die schon für die zweite Staffel produziert waren, ebenso enthalten wie alle WSXtra Episoden, die es als Ergänzung auf der Website zu sehen gab. Die DVD-Box wird nicht mehr produziert und ist nur noch gebraucht erhältlich.

Fazit

Auch wenn die WSX ihre Problemchen hatte und dieses Spotfest mit Wrestling eigentlich nicht viel zu tun hatte – es hat trotzdem seinen Charme. Wahrscheinlich war das schnelle Ende der Promotion ein Segen, denn so haben wir immerhin 10 Episoden bekommen, die man als No-Brainer-Wrestling auch schauen kann. Mehr wäre sicherlich anstrengender zu schauen gewesen.

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